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Für mehr als hundert Jahre war Jacques Offenbachs Opéra Comique Fantasio fast vollständig von den Spielplänen verschwunden

Fantasio (c) Sébastien Soriano

(27.09.17) Für mehr als hundert Jahre war Jacques Offenbachs Opéra Comique Fantasio fast vollständig von den Spielplänen verschwunden. Da der Komponist seinerzeit vor allem für seine Operetten gefeiert wurde, kam dieser Vorstoß in ein neues Genre bei der Uraufführung 1872 nicht besonders gut an. Außerdem ging ein Großteil des Notenmaterials bei einem Brand der Pariser Opéra Comique verloren, sodass Fantasio später fast gar nicht mehr aufgeführt wurde. Nun bietet sich am Grand Théâtre de Genève die seltene Gelegenheit, dieses Werk, das schon vieles von Offenbachs späterem triumphalen Erfolgsstück Les Contes d’Hoffmann vorwegnimmt, in seiner nunmehr rekonstruierten Originalgestalt auf der Bühne zu erleben.
Die Inszenierung des jungen französischen Theatermanns Thomas Jolly mit Bühnenbild von Thibaut Fack, Kostümen von Sylvette Dequest und Licht von Antoine Travert ist als Koproduktion mit der Opéra Comique, dem Theater der Uraufführung, entstanden, wo sie im Februar 2017 Premiere hatte. „Die Produktion […] legt den Akzent auf die romantische und poetische Seite des Werks“, hieß es im Magazin Regard en coulisse. Und Le Figaro schrieb: „In diesem filmischen Universum [..], das an die Traumästhetik à la Tim Burton erinnert, gibt es eine Klang, der perfekt mit dem Klang Offenbachs harmoniert.“
Fantasio handelt von einem Studenten, der sich als Hofnarr ausgibt, um das Herz einer Prinzessin zu gewinnen. Schließlich kann er sie überreden, sich ihren wahren Gefühlen hinzugeben und nicht von Politik und Staatsraison leiten zu lassen. Für diese Geschichte, die von den beiden Literaten Alfred und Paul de Musset stammt, hat Jolly ein ebenso melancholisches wie auch witziges Ambiente geschaffen.
Offenbachs Partitur, die der Komponist später zum Teil in Les Contes d’Hoffmann wiederverwertet hat, kommt in Genf nun in einer neuen kritischen Edition des Offenbach-Spezialisten Jean-Christophe Keck zur Aufführung. Der junge ungarische Dirigent Gergely Madaras bringt dieses vergessene Kleinod am Pult des Orchestre de la Suisse Romande zum Klingen. Die Titelrolle wird von der schwedischen Mezzosopranistin Katija Dragojevic verkörpert. Melody Louledjian singt die Prinzessin Elsbeth, Boris Grappe den König von Bayern und Pierre Doyen den Prinz von Mantua. Das Sängerensemble wird komplettiert durch Loïc Félix, Philippe Estèphe, Fabrice Farina, Carine Séchaye und Bruno Bayeux.

Premiere: 3. November 2017, 19.30 Uhr
Weitere Aufführungen: 4., 10., 11., 16., 18., 19. und 20. November 2017

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