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Grenzgänger Kristjan Järvi & Brandford Marsalis

Kristjan Järvi (c) Franck Ferville

(03.01.16) Kristjan Järvi, in Estland geboren und in den USA aufgewachsen, debütiert am 11. und 12. Januar mit dem Bayerischen Staatsorchester im Rahmen der Akademiekonzerte in der Bayerischen Staatsoper. Dabei gibt es einen weiteren, extrem prominenten Grenzgänger zu erleben: den großen amerikanischen Saxofonisten Branford Marsalis.

Der hochproduktive Dirigent, der gleich bei mehreren Orchestern (MDR Sinfonieorchester, Baltic Sea Youth Philharmonic, Gstaad Festival Orchestra, Absolute Ensemble) als Chefdirigent engagiert ist, bringt mit seinen unkonventionellen Programmkonzepten und einer betont energetischen Livepräsenz viel frischen Wind in die Konzertsäle. Sein Credo lautet: “Klassische Musikkultur verdient alles, nur keine erstarrten Rituale und Stereotypen. “Wenn wir es schaffen, Trendsetter zu sein, indem wir das Konzerterlebnis und -repertoire erweitern, werden wir niemals an Bedeutung verlieren.”

Branford Marsalis, der zur großen Marsalis-Musikerdynastie gehört, die neben Vater Ellis auch die Brüder Delfeayo (Posaune), Jason (Schlagzeug) und Wynton (Trompete) hervorgebracht hat, wurde in New Orleans geboren und damit in einem Schmelztiegel der Kulturen und der erklärten Geburtsstätte des Jazz sozialisiert. Marsalis hat mit Miles Davis und sämtlichen anderen Jazzgrößen, aber auch mit Popstars wie Sting zusammen gespielt. Die Konzertabende in München am 10. und 11. Januar demonstrieren, dass sich Marsalis der rigiden Einordnung in die Schublade „Jazzmusiker“ zu verweigern weiß, wenn hier der „klassische“ Solist Branford Marsalis auf der Bühne steht.

Wirklich „klassisch“ ist das zentrale Werk der beiden Abende, nämlich eine Komposition des Niederländers Jacob Ter Veldhuis, wohl kaum. Ursprünglich von der Rockmusik kommend, bricht Veldhuis mit seinem im Jahr 2001 komponierten „Tallahatchi Concerto“ für Solo-Saxofon und Orchester mit den musikalischen Stereotypen. Der Gestus des Stücks ist trotz aller kompositorischer Raffinesse betont zugänglich, da Jacob Ter Veldhuis jeder akademisch neutönerischen Abstraktion eine Absage erteilt. Weitgespannte melodische Linien münden in einen rhythmisch bewegten Part, der viele spieltechnischen und kreativen Möglichkeiten bietet.

Branford Marsalis' Saxofon adelt an diesem Abend ein weiteres Meisterwerk aus der neueren Musikhistorie: Darius Milhauds „Scaramouche“ ist im Jahr 1937 ursprünglich als Klavierwerk entstanden. Die hier gespielte, später entstandene Version für Saxofon und Orchester, zelebriert eine charmante Gratwanderung zwischen neoklassizistisch-französischem Esprit und raffiniert eingestreuter, früher Jazz-Idiomatik.

Mit Leonard Bernsteins Ouvertüre zu “Candide” und “On the Town” huldigen Kristjan Järvi und das Bayerische Staatsorchester einem von Järvis erklärten „Seelenverwandten“, wenn es um die mitreißende Eroberung des Publikums geht. Zum stimmungsvollen Finale wird das Publikum schließlich mit einer Suite aus Tschaikowskis Schauspielmusik „Schneeflöckchen“ in den Winterabend entlassen. “Schneeflöckchen” ist eine weitere Momentaufnahme aus Kristjan Järvis Projekten: Soeben hat er das selten eingespielte Gesamtopus mit seinem MDR-Sinfonieorchester, dem MDR Rundfunkchor sowie den Sängern Vsevolod Grivnov und Annely Peebo auf CD (Sony Classical) veröffentlicht. Der vorliegende Live-Mitschnitt entstand im Gewandhaus Leipzig. Järvi schreibt im Vorwort des Booklets: “Der Optimismus und die klare Reinheit von “Snegurotschka/Schneeflöckchen” verkörpern für mich den Geist der gesamten Ostseeregion, ihrer Natur und ihrer verschiedenen Völker. Diese Geschichte feiert das Leben und den ewigen Kreislauf der Natur.”

3. Akademiekonzert / Bayerisches Staatsorchester
11. und 12. Januar 2016, 20.00 Uhr, Nationaltheater

Leonard Bernstein
Ouvertüre zu Candide
On the town

Darius Milhaud
Scaramouche für Saxophon und Orchester op. 165c

Jacob ter Veldhuis
Tallahatchie Concerto für Saxophon und Kammerorchester

Peter I. Tschaikowsky
Suite aus Schneeflöckchen op. 12

Branford Marsalis, Saxofon
Kristjan Järvi, Leitung
Bayerisches Staatsorchester

Tickets

Foto Kristjan Järvi © Franck Ferville