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Das lange als verschollen geglaubte Stück in der Textfassung von Dominik Wilgenbus

Oksana Lyniv (c) Oleh Pavliuchenkov

(10.01.16) Der 1797 geborene Komponist Franz Schubert ist heute insbesondere als der eigentliche Schöpfer des deutschen romantischen Klavierlieds bekannt. Seine Bedeutung für die Musikgeschichte sollte aber erst von nachfolgenden Generationen erkannt werden. „Rosamunde“ war Schuberts letzter ernsthafter Versuch, an Bühnen seiner Heimatstadt Wien einen echten Erfolg zu erringen. Das lange als verschollen geglaubte Bühnenstück von Helmina von Chézy wurde am 20. Dezember 1823 mit der Musik von Schubert, die neben der Ouvertüre zehn weitere Nummern beinhaltet, im Theater an der Wien uraufgeführt. Rosamunde, Prinzessin von Zypern, soll mit achtzehn Jahren die Herrschaft in ihrem Heimatland antreten, zuvor aber wurde sie von der Schifferswitwe Axa incognito als Hirtin erzogen. Allen Intrigen des zypriotischen Statthalters zum Trotz besteigt Rosamunde am Ende den Thron. Die Musik, die Schubert in nur fünf Tagen verfasst haben soll, wurde gelobt, das Stück jedoch verrissen. So verschwand „Rosamunde“ nach nur zwei Aufführungen wieder aus dem Repertoire. Der vielschichtigen, von romantischer Symbolik durchzogenen Handlung begegnete man seinerzeit allzu verständnislos.
In der dieser Aufführung zugrundeliegenden Textfassung von Dominik Wilgenbus wird die Erzählung der „Rosamunde“-Handlung mit dem Porträt der Autorin verknüpft. Sein dramatisches Konzept basiert auf einer poetischen Annährung an Person und Werk mittels einer Collage aus Textzitaten, Dokumenten von Chézy und ihren Zeitgenossen sowie aus fiktiven Szenen und seiner persönlichen Reflexion.
Dominik Wilgenbus, 1966 in Westfalen geboren, studierte bei Prof. August Everding in München und arbeitet seit 1991 als freischaffender Musiktheater- und Schauspielregisseur, Übersetzer, Autor und Darsteller. Heute lebt der Künstler in München, wo er an der Gründung des Metropoltheaters und der Kammeroper München beteiligt war. Seine Regietätigkeit führte ihn an Theater wie die Wiener Volksoper, das Berliner Gorki-Theater und das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz. Zu seinen bisher aufgeführten Werken zählen u.a. „Heidi – das Heimatmusical“ sowie die Musikalische Komödie „Charley ́s Tante“. Von 2005 bis 2008 war Wilgenbus Dozent an der Musikhochschule Nürnberg-Augsburg. Im Rahmen der Jeunesses Musicales Deutschland inszenierte er 2007 „La Cenerentola“, 2013 „Don Giovanni“ und 2015 „Le nozze di Figaro“. Am Münchner Metropoltheater brachte er im November 2015 seine Bühnenfassung des Films „Wie im Himmel“ heraus.
Geleitet wird das Konzert von Oksana Lyniv. Nach ihrer Auszeichnung beim Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg 2004, absolvierte die ukrainische Dirigentin von 2005 bis 2009 ein Aufbaustudium und anschließend ein Meisterklassenstudium an der Dresdner Musikhochschule. Von 2008 bis 2013 wirkte sie als stellvertretende Chefdirigentin am Odessa National Academic Opera and Ballet Theater. Seit der Spielzeit 2013/2014 ist Oksana Lyniv an der Bayerischen Staatsoper als Assistentin des Generalmusikdirektors Kirill Petrenko engagiert. Bei den Münchner Opernfestspielen 2014 dirigierte sie die Neuproduktion von Boris Blachers „Die Flut“, in der Spielzeit 2014/2015 leitete sie u.a. Aufführungen von „La Clemenza di Tito“, „Le Comte Ory“, „La Traviata“ und „Lucia di Lammermoor“ an der Bayerischen Staatsoper.
Für die erfolgreiche Neuproduktion der Kammeroper von Paul Ruders “Selma Jezkova“ wurde Oksana Lyniv mit dem Bayerische Staatsoper Festspielpreis 2015 ausgezeichnet. Bei den Opernfestspielen 2016 wird sie die Uraufführung von Hauke Berheides Oper „Mauerschau” übernehmen. Ein weiterer wichtiger Punkt im Schaffen von Oksana Lyniv ist die Aufführung von moderner ukrainischer Musik und die Präsentation von Werken ukrainischer Komponisten in der internationalen Musikwelt. So hat sie zum Beispiel die symphonischen Werke von Boris Ljatoschynsky und Lyubava Sydorenko für den Bayerischen Rundfunk mit den Bamberger Symphonikern aufgenommen.
Im September 2016 wird sie an der Ukrainische Nationaloper Kiew ein Konzert zum Babyy Jar Gedenktag mit den Hamburger Symphonikern und dem Nationalen Chor „Dumka“ mit Johannes Brahms' “Deutsches Requiem“ und Yevhen Stankovychs „Kadish-Requiem“ dirigieren.

Sonntag │ 17. Januar │ 15:30 Uhr │ Prinzregententheater

Programm:
Franz Schubert | „Rosamunde“ – Bühnenmusik zum Schauspiel mit neuen Texten von Dominik Wilgenbus

Dominik Wilgenbus | Sprecher
Oskana Lyniv| Leitung
Kammerchor München
Münchner Symphoniker

Gefördert durch die Stadtsparkasse München

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