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Theaterregisseur Milo Rau macht mit "Justice" seinen zweiten Ausflug in die Welt der Oper

(22.12.23) Mit der Uraufführung von Justice unternimmt der berühmte Schweizer Theaterregisseur Milo Rau nach La clemenza di Tito am Grand Théâtre de Genève seinen zweiten Ausflug in die Welt der Oper, diesmal mit einer Uraufführung basierend auf Raus Stil des Dokumentarischen Theaters. Zusammen mit dem katalanischen Komponisten Hèctor Parra und dem kongolesischen Schriftsteller Fiston Mwanza Mujila entsteht ein neues Musiktheaterwerk, das Themen wie Neokolonialismus, industrielles Machtstreben und die Ausbeutung des sogenannten globalen Südens aufgreift und damit als ein zugleich dokumentarischer und poetischer Diskurs über die Welt von heute erscheint.

Mit Hèctor Parra konnte für dieses Projekt einer der vielseitigsten zeitgenössischen Komponisten gewonnen werden, dessen Werke auf renommierten Festivals wie dem Lucerne Festival, dem Warschauer Herbst oder den Donaueschinger Musiktagen gespielt wurden. Insbesondere seine Musiktheaterwerke Les Bienveillantes (Antwerpen 2019), Wilde (Schwetzingen 2015) oder Das geopferte Leben (Münchener Biennale 2013) wurden von der Kritik hoch gelobt.

Das Libretto entwickelten Rau und Mujila in enger Zusammenarbeit: In der Demokratischen Republik Kongo rast im Jahr 2019 ein mit Säure gefüllter Tanklaster in einen Bus und verursacht mehr als 20 Todesopfer sowie eine Umweltkatastrophe. In dieses Ereignis ist ein multinationaler Schweizer Konzern in der DR Kongo verstrickt. Rau, Mujila und Parra schaffen daraus ein vielstimmiges und elegisches Werk über das Schicksal eines Dorfes und darüber hinaus eine Reflexion über die unterschiedlichen Interessen in diesem afrikanischen Land. Politische und wirtschaftliche Kräfte sowie NGOs treffen auf die lokale Bevölkerung, die Mythen und Legenden eines alten Landes begegnen der „entwickelten“ Welt. Dabei wird immer wieder die Frage nach Gerechtigkeit gestellt. Themen die besonders in der Stadt Genf auf internationalem Niveau zusammentreffen und täglich verhandelt werden.

Parras Musik ist an der Grenze zwischen Wohlgefallen und Schmerz angesiedelt. Sie geht unter die Haut, wobei eine ausgefeilte kompositorische Sprache und ein stringenter Aufbau ihr Apellcharakter und expressive Kraft verleihen. Dazu verwendet Parra für dieses Werk auch Elemente traditioneller Musik aus dem Kongo unter der Mitwirkung des kongolesischen Jazz-Gitarristen Kojak Kossakamvwe.

Der Text von Mujila greift ebenso ausdrucksstark den Gestus seines Heimatlandes auf. Für das Bühnenbild dieser Neuproduktion zeichnet Anton Lukas verantwortlich, für die Kostüme Cedric Mpaka, für das Licht Jürgen Kolb, für die Videos Moritz von Dungern und für die Dramaturgie Clara Pons.

Am Pult des Orchestre de la Suisse Romande steht mit dem Schweizer Titus Engel ein Spezialist für das zeitgenössische Repertoire, der sich in den letzten Jahren vor allem mit Werken und Projekten abseits des Mainstreams einen Namen gemacht hat, etwa mit der Genfer Produktion von Philip Glass‘ Einstein on the Beach (2020) oder kürzlich an der Komischen Oper Berlin mit Henzes Floss der Medusa. Unter seiner Leitung steht ein Sängerensemble auf der Bühne, das bestens mit Neuer Musik vertraut ist: Der amerikanische Tenor Peter Tantsits in der Rolle des Direktors hat bereits bei der Uraufführung von Parras Les Bienveillantes gesungen, die Frau des Direktors wird von der Mezzosopranistin Idunnu Münch verkörpert. Der legendäre Bassbariton Willard White singt die Rolle des Priesters, die eindrückliche Mezzosopranistin Katarina Bradic die Chauffeurin, der junge kongolesische Countertenor Serge Kakudji die des Jungen Mannes ohne Beine. Des Weiteren sind Simon Shibambu (junger Priester), Lauren Michelle (Stimme) und Axelle Fanyo (Mutter) zu erleben.

Grand Théâtre de Genève: Hèctor Parra “Justice” (Uraufführung)
(eine Koproduktion und Ko-Komission mit dem Festival Tangente St. Pölten)

Premiere: 22.01.2024, 20:00 Uhr

Weitere Vorstellungen: 26.01.2024 – 20:00 Uhr / 24.01.2024 – 19:00 Uhr / 28.01.2024 – 15:00 Uhr

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